Giftig für Hunde

War das etwa giftig Teil 1

Für unsere Hunde lässt sich nahezu überall etwas Essbares finden. Ist die Aufnahme von Objekten und Substanzen in den eigenen vier Wänden besser zu kontrollieren, so ist es draußen unmöglich jede auf dem Boden liegende „Leckerei“ frühzeitig zu erkennen.

Die Nase unseres Hundes nimmt Dinge wahr, die für unsere Sinne nahezu unsichtbar bleiben. Durch das Aufstöbern und einer daraus resultierenden Essensaufnahme wird der Hund darin bestärkt, sich zusätzliches Futter eigenständig zu beschaffen. Er belohnt sich demnach selber mit dem gefundenen Fressen und wird so immer wieder aufs Neue nach etwas Leckerem suchen.

Doch was passiert, wenn es sich bei dem Aufgenommenen nicht nur um Taschentücher oder alte heruntergefallene Leckerchen, sondern um giftige und im schlimmsten Falle tödliche Stoffe handelt?

Mein Hund hat etwas Giftiges gefressen

Haben Sie Ihren Hund dabei „ertappt“ wie er etwas aufgenommen hat, versuchen Sie wenn möglich Reste des Aufgenommenen zu finden. Packen Sie diese ein und fahren Sie umgehend zu einem Tierarzt oder eine Tierklinik. Gefundene Reste ermöglichen es einen genauen Giftstoff zu identifizieren und die entsprechende therapeutische Vorgehensweise zu vereinfachen.

Besonders draußen kann es vorkommen, dass ihnen die Aufnahme eines giftigen Gegenstandes oder einer Substanz unbemerkt bleibt. Sollten Sie ohnehin einen Hund besitzen, der dazu neigt Leckereien vom Boden aufzunehmen und Sie ein unwohles Gefühl haben, fahren Sie lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig zu ihrem Tierarzt. Bei einer akuten Vergiftung können Minuten und Sekunden über Leben und Tod entscheiden.

Das direkte Aufsuchen eines Tierarztes oder einer Tierklinik ist besonders erforderlich, wenn Sie die Aufnahme einer giftigen Substanz oder eines giftigen Gegenstanden nicht bemerkt haben, ihr Hund jedoch bereits Symptome aufweist. Erbricht ihr Hund oder hat er einen ungewöhnlichen Stuhlgang, so nehmen Sie auch hiervon eine Probe mit zum Arzt.

Ob die aufgenommenen Stoffe beim Hund nur eine Magenreizung verursachen oder ob sie Krämpfe, Blutungen und Schlimmeres auslösen, hängt von Giftart und Dosis ab.

Giftig

Was sind die häufigsten Vergiftungsarten und welche Symptome rufen sie hervor?

Verschiedene Giftarten führen zu unterschiedlichen Symptomen und differierenden therapeutischen Vorgehensweisen. Daher ist es wichtig die Giftart zu kennen, um den Hund geeignet behandeln zu können. Aus einer Vielzahl möglicher Substanzen und Gegenstände, verursachen die Folgenden die häufigsten Vergiftungen bei Hunden:

Schokolade:

Der giftige Wirkstoff der Kakaobohne ist das Theobromin, welches sich auf das zentrale Nervensystem des Hundes auswirkt. Die minimal letale Dosis von Theobromin beträgt 100 mg pro 1 kg Körpergewicht des Hundes. Eine tödliche Wirkung kann auch bei weitaus niedrigeren Konzentrationen auftreten. Je dunkler die Schokolade und je höher der reine Kakaoanteil ist, desto giftiger ist sie. Lagern Sie Schokolade daher an Orten, die für ihren Hund unzugänglich sind.

Symptome: Unruhe, Zittern, Erbrechen, Durchfall, Krampfanfälle, erhöhte Temperatur und Weitere.

Schneckenkorn:

Der tödliche Wirkstoff im Schneckenkorn ist unter Anderem Metaldehyd. Es handelt sich dabei um ein Nervengift, welches zu Herzrasen, Muskelkrämpfen und schließlich zum Tod führt. Die tödliche Dosis Metaldehyd liegt bei 0,5 g pro 1 kg Körpergewicht des Hundes. Im Gegensatz zum Rattengift wirkt Schneckenkorn ggf. schon nach 30 bis 60 Minuten.

Symptome: Speicheln, Erbrechen mit Blut, Zittern und Krämpfe, schnelles/heftiges Hecheln, Koordinationsstörung, Fieber und Weitere.

Rattengift / Mäusegift:

Diese Gifte blockieren die Blutgerinnung im Blutkreislauf des Hundes durch eine Hemmung der Vitamin-K-Synthese. Symptome können unter Umständen erst nach 2 bis 5 Tagen eintreten.

Symptome: Blutungen an Schleimhäuten, Blaufärbung der Zunge, Durchfall, Blasses Zahnfleisch, Nasenbluten, Blut im Urin und Kot, Absinkende Körpertemperatur, Bewusstlosigkeit und Weitere.

Pflanzen:

So hübsch manche Pflanzen auch sein mögen, so gefährlich können sie für unseren Vierbeiner sein. Daher verzichten Sie bitte beim Dekorieren ihrer Wohnung und ihres Gartens auf Alpenveilchen, Blauer Eisenhut, Buchsbaum, Eibe, Engelstrompete, Fingerhut, Goldregen, Kartoffelkraut, Knollenblätterpilz, Maiglöckchen, Nachtschatten, Oleander, Rhabarber, Riesenbärenklau, Rittersporn, Rizinuspflanze, Stechapfel, Seidelbast, Schwarzes Bilsenkraut, Tollkirsche, Tulpe und Weitere.

Symptome: Pflanzengifte können sehr unterschiedlich sein und neben Vergiftungen auch Hautreizungen hervorrufen. Zu den häufigsten Symptomen zählen Erbrechen, Durchfall, Kreislaufkollaps und Leberschäden.

Weitere giftige Stoffe (im Haushalt):

Aspirin (Acetylsalizylsäure, ASS) – Organschäden
Paracetamol – führt zu Magenblutungen und Leberschäden
Ibuprofen – Orientierungsstörungen, Erbrechen
Diclofenac – Blutungen, Erbrechen und Durchfall

Bei Überdosierungen können auch weitere Stoffe wie Reinigungsmittel, Frostschutzmittel oder Öle tödlich wirken. Diese müssen für den Hund unzugänglich aufbewahrt werden.

Wie untersuche ich meinen Hund richtig um alle Symptome feststellen zu können?

Je genauer Sie Ihren Hund kennen, desto schneller nehmen Sie etwaige Symptome wahr.
Zur Untersuchung ziehen Sie bitte folgende Fragen in Betracht:

  • Verhält sich der Hund anders als üblich?
  • Sind Aktivität und Bewegung eingeschränkt?
  • Weist der Hund einen anderen ggf. unangenehmen Geruch auf?
  • Verläuft die Atmung langsamer oder schneller als sonst?
  • Haben sich Form und Farbe des Stuhlgangs verändert?
  • Frisst oder trinkt Ihr Hund weniger oder mehr als üblich?
  • Ist die Farbe und Kapilarwirkung der Schleimhäute verändert?

Aktivkohle als schnelle Hilfe bei einer Vergiftung

Bei einer akuten Vergiftung ist es sinnvoll medizinische Kohle bzw. Aktivkohle als Adsorptionsmittel einzusetzen. Im Magen-Darm-Trakt bindet die Aktivkohle durch ihre hochporöse innere Oberfläche das Gift und verhindert, dass es in den Blutkreislauf gelangt. Die Kohle wird dann samt gebundenem Gift über den Stuhlgang ausgeschieden. Der dabei entstehende schwarze Kot ist üblich und harmlos.

Wie viel Aktivkohle muss ich dem Hund verabreichen?

Als Faustregel gilt: 1 g Aktivkohle pro 1 kg Körpergewicht des Hundes. Demnach werden für einen 20 kg schweren Hund 20 g Aktivkohle und für einen 6 kg schweren Hund 6 g Aktivkohle benötigt. Sprechen Sie die Dosierung aber bitte frühzeitig mit Ihrem Tierarzt ab, um auf eine derartige Situation vorbereitet zu sein. Sorgen Sie des Weiteren dafür, stets eine Notfall-Ration dieser Aktivkohle zu Hause oder auf dem Spaziergang bereitzuhalten, damit Sie im Verdachtsfall ohne zu zögern handeln können. Medizinische Kohle ist in Apotheken und als Tabletten- oder Pulverform erhältlich. Um die Aufnahme für den Hund einfacher zu gestalten, können Sie die Kohletabletten beispielsweise mit Leberwurst bestreichen oder das Pulver in Nassfutter vermischen.

ACHTUNG: Die Aktivkohle ersetzt nicht den Gang zum Tierarzt, sondern stellt lediglich eine Erste-Hilfe-Maßnahme dar. Nach der Gabe der Kohle sollte es auf schnellstem Weg zum nächsten Tierarzt bzw. zur nächsten Tierklinik gehen.

Wie transportiere ich meinen Hund richtig zum Tierarzt, wenn er bereits Symptome zeigt?

In besonders schweren und fortgeschrittenen Fällen kann es vorkommen, dass Ihr Vierbeiner nicht mehr gut laufen kann. Versuchen Sie ihn mit einer Decke hochzuheben. Hierfür werden mindestens zwei Personen benötigt. Am sichersten ist es dabei, wenn eine harte Unterlage die Decke stabilisiert. Auf diese Weise kann man den Hund auf einer geraden Fläche anheben.

Bei bewusstlosen Tieren achten Sie bitte darauf, dass sie in Seitenlage transportiert werden, damit die Atemwege frei bleiben.

Leidet Ihr Hund unter Atemnot, so sollte der Kopf höher gelagert werden als der restliche Körper. Hierfür eignet sich ein Kissen.

Wie kann ich der Aufnahme vorbeugen?

Grundlegend sollten Sie ihre Spaziergänge so gestalten, dass sich Ihr Hund nicht zu weit von Ihnen entfernt. Auf diese Weise haben Sie einen besseren Überblick über die Gesamtsituation und das Übersehen/Versäumen einer ungewollten und unbekannten Aufnahme wird verringert. Sollten Sie sich unsicher sein, führen Sie Ihren Hund am besten an der Leine.

Des Weiteren sollten Sie ein Anzeigeverhalten konditionieren. Dies bedeutet, dass der Hund beispielsweise durch ein Bellen signalisiert, dass er etwas Essbares gefunden hat, ohne das er diesen Gegenstand direkt zu sich nimmt. Richtig aufgebaut, kann es für den Hund zu einer Aufgabe werden, ähnlich einem Polizeihund der Drogen erschnüffelt.

Bitte sehen Sie von reinem Meckern oder Strafe ab, da dies die Aufnahme fördern kann. Ihr Hund wird schnell den Dreh raus haben und entweder den geeigneten Moment abwarten, in dem Sie unaufmerksam sind oder er wird direkt mit dem gefundenen Gegenstand vor Ihnen davonlaufen bzw. diesen direkt herunterschlucken.

Wie das Anzeigeverhalten in Bezug auf herumliegende Köder oder Gegenstände aufgebaut wird, erfahren Sie in: War das etwa giftig Teil II.

Seien Sie auf Vergiftungen vorbereitet, indem Sie sich mit Aktivkohle ausstatten, die jeweilige Dosierung mit Ihrem Tierarzt besprechen und in Verdachtsfällen zügig handeln.
Passen Sie gut auf Ihren Vierbeiner auf.

Daniel Strothe – lead and care ist eine ganzheitlich arbeitende Hundeschule in Bottrop und Umgebung. Dort geht es nicht ausschließlich um Erziehung, sondern auch um Bindung, um Kooperation und um die »Verhundlichung« des Menschen. www.lead-and-care.de

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